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What's your turn on? - Sexuelle Fantasien
28. Januar 2019
Fantasien treiben oft wilde Blüten.

Kreativität bereichert Ihre Sexualität. Fantasien sind schön. Sie sind Reisen im Kopf und können sehr erregend sein. Aus Fantasien können Wünsche werden. Oder auch nicht.

Fantasien können Ihre Sexualität bereichern

Menschen können Gefühle und Begehren kreativ ausdrücken. Sie schreiben Geschichten, fotografieren, machen Skulpturen, spielen Theater, zeichnen, musizieren etc. Wir wollen anregen, Themen rund um Erotik und Sexualität kreativ zu begegnen. Probleme können sich manchmal spielerisch transformieren.

Von der Eindeutigkeit zur Mehrdeutigkeit

Über Ihre Fantasien zu sprechen, erfordert bei den meisten Menschen etwas Geduld, da Fantasien nicht in fertiger, bewusstseinsnaher Form an der Oberfläche liegen.
Vorweg um zu illustrieren, wie weit verbreitet Fantasien sind, die Tabelle einer Studie aus 2012 - durchgeführt vom Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie, Universität Hamburg. Die Tabelle nimmt bezug auf den Themenbereich Kinky Sex, dem ja noch immer der Geschmack des Unnatürlichen und Zwanghaften anhaftet. Die Daten zeigen aber, dass Menschen (Männer wie Frauen) sich mehrheitlich eine Erweiterung ihrer sexuellen Handlungen durch Sexpielzeuge und Inszenierungen vorstellen können.

“Das gefällt mir im Porno”MännerFrauen
Sex Toys55 %52%
SM und Bondage21%27%
Leder, Latex, Fetisch15%13%
"Habe ich schon mal gemacht oder möchte ich gerne machen"MännerFrauen
Dildo, Vibrator benutzen67%70%
Fesseln, Bondage54%55%
Leder, Latex, Fetisch20%21%
sexuelle Rollenspiele57%50%
Telefonsex40%40%
Dominanz und Unterwerfung
Dominanz und Unterwerfung

Die Umfrage zeigt, wie gerne Männer und Frauen ihre Fantasie einsetzen, um ihre Sexualität erlebnisreicher zu gestalten. Besonders fällt auf, dass viele Elemente, die bis vor kurzem noch der Subkultur zugerechnet wurden als Spielmöglichkeiten für mehr Menschen in Frage kommen.

Sie können Gedanken und Geschichten in Ihren Sex einfließen lassen und damit spielen. Damit wird eine erotische Begegnung facettenreicher, mehrdeutiger und energetischer.

Was bewirken sexuelle Fantasien?

Fantasien produzieren Spannung, indem Vorstellungen in ein erotisches Skript eingebaut werden. Man kann sich selbst eine Rolle in der imaginierten Szene geben, oder als Zuschauer*in agieren. Die Akteur*innen können bekannt, fremd oder gar gesichtslos sein. Die Bilder speisen sich aus Gesehenem, Gelesenem, Erinnerten, Gehörten, Erlebten oder eben ausschließlich aus Erdachtem. Vielleicht mischt die Choreografie der Szene Inhalte verschiedenen Ursprungs: Eine reale Erfahrung aus der Kindheit wird in der Fantasie mit einem Bild aus einem Porno verschränkt und mit dem Liebhaber und der besten Freundin als Darsteller*innen besetzt.

Warum fantasieren wir?

Die Funktionen sind vielfältig und für jede Person anders. Manchmal setzt derselbe Mensch unterschiedliche Fantasien ein, weil er unterschiedliche Intentionen oder Gefühle je Situation hat. In Fantasien können wir

  • Machtverhältnisse ändern
  • gesehen werden
  • Dinge risikofrei ausprobieren
  • in Rollen schlüpfen
  • Glaubenssätze überwinden
  • sich selbst anders erleben und darstellen
  • aus dem Alltag aussteigen
  • Grenzen erweitern: Neues gefahrlos ausprobieren
  • Tabus ignorieren/überwinden
  • sich in einen ressourcenvollen Zustand denken
  • in eine andere Rolle schlüpfen
  • autonom sein
  • kompromisslos sein
  • rücksichtslos sein
  • einfach anders sein, als man sonst ist
  • Reframing des Erlebten: Schrecken wird zur Lust, Ablehnung zur Anziehung, Schmerz zu Freude etc.
  • reales Erleben (neu) befeuern
  • Beziehung schützen: indem ich Sex mit Fremden fantasiere, genügt es vielleicht und ich will/muss den Partner nicht betrügen
  • Kontakt zu Partner*in während dem Sex abbrechen
  • Tabus überwinden

Eines haben fast alle Fantasien gemein, sie erzeugen Erregung oder steigern vorhandene Erregung - egal ob beim Masturbieren oder bei sexuellen Handlungen mit anderen Menschen. Fantasien zeigen uns einen Teil der jeweiligen erotische Landkarte des Menschen. Das Material, das eine erotisch, sinnliche und emotionale Bedeutung hat, zeigt in einzigartiger Weise, wie der Mensch erotisch tickt. Was es für Grundmuster von Erregung gibt. Und nicht zuletzt wo Entwicklungspotential und Lösungen für mögliche Konflikte sind.

Wer führt wen?
Unterschiedliche Dramaturgie

Die Turn-Ons von Menschen sind so vielfältig und unterschiedlich wie die jeweiligen sexuellen Profile. Manche Menschen haben gleich ein ganzes Repertoire an Fantasien, die sie wie Videos an- und ausschalten, vor- und zurückspielen, gleichzeitig oder abwechselnd laufen lassen, oder aber als einzelne Standbilder einfrieren können. Andere wiederum haben genau eine Fantasie, die sich über die Jahre nicht verändert und vielleicht schon seit der Jugend besteht. Immer ist es aber so, dass die Fantasierenden das dramaturgische Konzept bestimmen - einschließlich Timing, Atmosphäre, Frequenz, Wiederholung und natürlich Handlung und Inhalt, nebst Akteur*innen und Rollen.

Woher kommt der Stoff für sexuelle Fantasien?

Warum man von einer Situation sexuell erregt wird, hängt von unseren sinnlichen und emotionalen Erfahrungen und der Bedeutung, die wir ihnen geben, ab. Fragt man Menschen nach dem was sie erregt, erzählen die meisten von inneren Bildern und Szenarien, die sie real nicht erleben. Selten wird der bekannte “Alltags-Sex im Kopf inszeniert, als vielmehr Geschichten, die von der Überwindung eines Hindernisses handeln und Verbotenes einbeziehen.

Hindernisse erregen

Ein Hindernis kann nun sein, dass man in Sehnsucht nach einem Menschen schwelgt, zu dem man eine physische, emotionale oder geografische Distanz hat. Die Unsicherheit, die Hoffnung und das Ungewisse erhöhen die Erregung. Das was man nicht hat, gewinnt an Bedeutung und wird symbolisch überhöht.

Ein anderes Hindernis kann sein, dass man sich etwas vorstellt, das verboten ist, das auf gesellschaftlich-kultureller Ebene. Ebenso wie auf der Beziehungsebene Normen und Werte verletzt. Zum Beispiel Sex mit der Chefin, oder mit dem besten Freund des Mannes. Klassiker sind auch die Themen Macht und Ohnmacht. In vielen Fantasien geht es um Status(-verletzungen), Erniedrigung, Schmerz, Dominanz und Unterwerfung.

Auf Ambivalenzen balancieren

Auch das Unbekannte und Fremde bieten Stoff: Eine neue sexuelle Praktik, eine Rolle, die man noch nie hatte, ein anderer kultureller Hintergrund, ein Mensch, den man noch nicht gut kennt etc. Oft geht es bei all dem auch um Ambivalenzen und die Überwindung von Ambivalenzen.
In der Fantasie darf man gefahrlos zögern - wieder und wieder. Man darf ausprobieren und dann einen Rückzieher machen. Balancieren am schmalen Grad des Wollens und Nichtwollens erzeugt Spannung und Spannung erzeugt Erregung.

Vom Trauma zum Triumph

Hierbei geht darum, dass Dinge, die einen peinigen, mit neuen Bedeutungen aufgeladen werden. Die Überwindung des Problems ist der erotische Kick. Erregung entsteht durch das Oszillieren zwischen antizipierter Gefahr und ihrer Überwindung.
Zum Beispiel kann ein Mann, der sich selbst für hässlich, impotent und alt hält, davon fantasieren, dass ihn fünf Frauen gleichzeitig brennend begehren, sich nicht mehr halten können und auf ihn stürzen.
Zahlreiche Möglichkeiten erschließen sich in der Fantasie. Entweder man ist Akteur*in oder hat die passive Rolle innen. In der Spannung zwischen Angst und Lust liegt die Erotik.

Fantasieren ist lustvoll uvnd kreativ

Fantasien können einfach schön sein. Für sich stehen. Sie sind vorerst Reisen im Kopf. Um mit ihnen zu spielen, können Sie sie aus den Köpfen in reale Räume holen. Im Tun und Reden entstehen neue Geschichten, die überraschen und erregend sind. Probieren Sie es einmal mit ihrem Partner/ ihrer Partnerin aus. Hier zwei Anregungen

Dirty Talk

Ein wesentliches Element für die Erotisierung einer Situation, der eigenen Person und des Partners ist die Sprache. Worte und Geschichten sind Katalysatoren für die Erzeugung von Spannung. Wenn man sich gegenseitig  Fantasien erzählt und eine eigene Sprache dafür entwickelt, kann dies anregend und aufregend sein.
In diesem kleinen Experiment geht es darum, die Kontrolle abzugeben, was gesagt werden darf und was nicht. Zensur, die wir alle im Kopf haben wird hintangestellt. Schließe Sie ihre Augen und beginnen Sie mit einem Flüstern ins Ohr. Sie werden sehen es funktioniert.

Das Königreich der Sinne

Rollenspiele sind Fantasien, sie sind aber auch eine effektive Methode Fantasie zu aktivieren. Möchten sie sich einmal in das Königreich der Sinne begeben? Hier gibt es wie in einem Hofstaat, den König, die Königin, die Diener*Innen, den Hofnarren, den Koch, die Mägde und Knechte, den Stalljungen, Adelige, die Zofen, den Zeremonienmeister.

Jede Rolle ist von Beginn mit bestimmten Eigenschaften, Befugnissen und Aufträgen ausgestattet. Schlüpft man in eine Rolle, verlässt man sozusagen für die Zeit des Spiels die eigene Identität. Man hat die Freiheit, sich Rollen auszusuchen, die man im realen Leben vielleicht nicht lebt. Dominante Menschen können in die Rolle des Dienenden schlüpfen, Frauen in Männerrollen und umgekehrt, Zurückhaltende der König oder die Königin sein.

Die neue Erfahrung in Rollenspielen entsteht auf allen Sinnesebenen: Bereitet es mir Lust, auf Geheiß der Königin ihre Füße zu massieren? Oder Ihr Haar zu kämmen? Welche Emotionen entstehen? Kann ich mich auf die Situation einlassen? Empfinde ich die dienende Rolle als lustvoll? Wie ist es, wenn ich mir als Baroness etwas wünschen kann?

Fallen mir überhaupt Wünsche ein und wenn ja welche? Gibt es Wünsche für die ich mich schäme und den anderen nicht zumuten will? Wie gehe ich damit um, wenn meine Grenzen überschritten werden? Wenn Handlungen in mir Emotionen auslösen, die ich nicht unter Kontrolle habe.